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Zurück ins Leben nach einem Suizidversuch

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09.03.2017
Wie es dem Kommunikationsfachmann Daniel Göring ergangen ist, schildert er in seinem Buch « Der Hund mit dem Frisbee ». Am Donnerstag, 16. März, 19.30 Uhr, erzählt er von seinen Erfahrungen und liest aus seinem Buch in der Bibliothek Hautpost in St. Gallen. Veranstalter sind die Dargebotene Hand Ostschweiz/FL und das Ostschweizer Forum für Psychische Gesundheit anlässlich des Tags des Zuhörens (14.3.).

Wir wollten von Dr. med. Regula Meinherz, Leitende Ärztin Spezialisierte Psychiatrie der Klinik St. Pirminsberg in Pfäfers, wissen:

Wie schätzen Sie den Nutzen des Buchs für andere Personen ein?

Daniel Göring  schildert seine Depression sehr nachvollziehbar und auch typisch: Er ist sich gar nicht bewusst, dass er krank ist. Für ihn stimmt die Einschätzung, dass sein Leben nichts mehr wert ist, dass es das Beste ist, wenn es ihn nicht mehr gibt. Prägnant erzählt er, wie er gefühlsmässig den Kontakt zu seinen Mitmenschen verliert, selbst seine Kinder und seine Freundin spürt er nicht mehr.

Er schildert dies zum Beispiel anhand seines Arbeitswegs mit vielen Tunnels: Er ist selbst gefangen in einem Tunnel, sieht nur noch die Anforderungen seiner Arbeit. Typisch ist auch, wie er sich erleichtert fühlt, nachdem er den Entschluss gefasst hat aus dem Leben zu scheiden. Das Buch von Daniel Göring ist wichtig für Menschen in einem Burnout: Sie sehen, wie gefährlich es werden kann. Für Depressive ist es immer wieder erleichternd, wenn sie merken, dass sie nicht alleine sind mit ihrem Erleben, wenn sie von anderen erfahren, dass dies ein vorübergehender Zustand ist und Hilfe möglich ist.

Wie erleben Sie als Psychiatrin den Weg von Menschen mit ähnlichen Geschichten zurück ins Leben? Gibt es Grundvoraussetzungen, damit dies gelingen kann?

Spannend ist, wie viele Menschen nach einem überlebten Suizidversuch nach kurzer Zeit  froh sind, dass es nicht « geklappt » hat. Sie spüren, dass etwas in ihnen leben will. Damit man aber wieder nachhaltig ins Leben und zur Gesundheit zurück finden kann, ist es wichtig, die eigene Situation grundsätzlich zu überdenken, zu verstehen, was einen so weit gebracht hat und dies zu ändern. Das gelingt meistens nur mit Hilfe. Zudem ist, wer schon einmal einen Suizidversuch unternommen hat, gefährdeter, in Krisen wieder auf Suizidgedanken zu kommen. Umso wichtiger ist es, Hilfe anzunehmen.

Viele Menschen, auch potenzielle Arbeitgeber, sind überfordert damit, dass Daniel Göring offen zu seinem Suizidversuch steht. Wie können wir Menschen nach einem Suizidversuch unterstützen?

Suizidversuche von anderen Menschen machen uns ratlos, traurig, oft wütend. Diese Gefühle sind schwierig auszuhalten und machen Angst; sie können auch Erinnerungen an eigene Suizidgedanken wecken. So können wir überfordert sein, uns auf Menschen einzulassen, die einen Suizidversuch gemacht haben und vermeiden dann manchmal auch den Kontakt mit diesen Menschen.

Aber genau der Kontakt wäre wichtig. Wir können uns interessieren für die Not, die Menschen zum Suizidversuch gebracht haben, auch wenn wir diese Handlung nicht verstehen müssen.

Sinnvoll ist die Prävention: Depressionen und schwierige Lebensumstände von Mitmenschen frühzeitig erkennen und ansprechen, Hilfe anbieten und den Zugang zu Suizidmitteln erschweren.

Nützliche Links

Daniel Görgin

Psych

Psychiatrie Nord St. Gallen

Forum psychische Gesundheit

 

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